Neu Impulse in Siegens schönster Ecke

Was ist passend, was ist stimmig? Also ich finde nicht, das ein Putzeimer im Flur zwischen Bücherregal und Kommode stehen sollte. Auch der Komposthaufen sieht mitten im Blumenbeet zwischen den emsig gezüchteten Rosensträuchern und Lilienreihen nicht wirklich gut aus. Ein stimmiges Ensemble führt zu einem harmonischen Gesamtbild – und wer schaut sich das nicht gerne an?! Also ich schon.

Was passt dort nicht?

Ein harmonisches Gesamtbild entstand Ende der 1990er Jahre Mitten in Siegen, an Reichwalds Ecke. Ein höherwertiges Geschäftszentrum mit einem guten Duzend exklusiver Lädchen öffnete seine Pforten. Auf vier Etagen wurde der gut verdienende und besser situierte Kunde angesprochen. Lampen, Stühle, Geschenkartikel und soviel mehr warteten darauf von Anwälten, Ärzten und Architekten abgeholt zu werden. Mehrere Bars, eine Galerie, eine doch recht spezielle Disse und der Hauptmieter, der Cine-Star-Kinopalast komplettierten das Innere dieses architektonischen Schmuckstücks in der aufstrebenden Siegener Unterstadt.

Schon recht schnell wurde klar, dass dieses Konzept vielleicht eine Nummer zu groß für die Krönchenstadt sein könnte. Aus dem Konjunktiv wurde Präsens, die ersten Läden mussten aufgeben. Diese Spirale zog sich solange hin, bis ein Großteil der Ladenlokale leer stand. Hin und wieder fanden sich Nachmieter, wie ein Wasserbettengeschäft oder ein Jeans-Oulet –

gestoppt werden konnte der negative Trend jedoch nicht. Immer mehr leere und kahle Schaufenster markierten den Weg der ohnehin schon immer dünner werdenden Passanten- und Kundenströme.

Nun eröffnet in wenigen Tagen im Erdgeschoss, in den Räumlichkeiten des ehemaligen Teppich-Forums, ein Kik-Textil-Diskont. Was schon vor Wochen hinter vorgehaltener Hand getuschelt wurde, bestätigte der Eigentümer der vormals leer stehenden Ladenfläche kürzlich in der lokalen Presse.

Na super, ein Kik-Markt also, noch einer. Direkt neben dem Möbelhaus, wo der extravagante Designer-Stuhl gut und gerne den ein oder anderen „Hunni“ kostet, heißt es also schon in wenigen Tagen „nur nackt ist billiger“. Wenn das mal kein Kontrast, ja, wenn das mal kein wirklich unharmonisches Gesamtbild ergibt.

Nun ist es offensichtlich, der exklusive Konsumtempel ist wohl tatsächlich gescheitert. Der „Billisch – will ich“-Trend hält Einzug und die Miete für ein jedes Lädchen wird wohl noch in kleines bisschen weiter, näher in Richtung Keller rutschen. Vielleicht eröffnet ja in ein paar Wochen im Geschoss drüber ja noch ein T€DI….

Welche Konsequenzen der Textil-Diskont auf die anderen, die letzten verbliebenen „Rich-and-Famous-Stores“ haben wird, ist jetzt noch nicht abschätzbar. Neue Laufkundschaft, die nach ihrem Besuch im Diskont, mal eben noch durch die Edel-Läden bummelt, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht akquiriert werden.

Das zu denken, und ich habe so manche Behauptungen der Verantwortlichen gelesen, wäre absurd und ein Trugschluss. Kik in der Oberstadt, gegenüber von Karstadt, wird dann übrigens schließen. Ein weiterer Leerstand im historischen Zentrum.

Text/Foto: tik

Einen Kommentar schreiben