Das Jahr 2007 ist nun auch hinter uns gebracht. Doch anstatt sich, wie Jauch und Co. es schon zur Genüge im Fernsehen getan haben, mit Menschen, Bildern und Emotionen des zurückliegenden Jahres zu beschäftigen, wollen wir hier das Filmjahr 2007 Revue passieren lassen.
Müsste man das Kinojahr 2007 mit 3 Worten zusammenfassen, würden wohl: „REMAKE. SEQUEL. ENTTÄUSCHUNG.“ Am ehesten zutreffen. Denn selten hat man aus Hollywood so eine große Anzahl an Fortsetzungen und aufgewärmten Ideen über den großen Teich nach Europa geballert. Als die Blockbuster des Sommers angekündigt, konnte allerdings keiner an seine Vorgänger heranreichen.
Spiderman 3 nervte den Zuschauer mit zu vielen Bösewichtern, lächerlichen Tanzeinlagen und Emo-Getue. Ebenso konnte auch der dritte Teil der Fluch der Karibik Trilogie seine Herkunft als Disney-Attraktion nicht mehr verbergen und malträtierte den Zuschauer mit Logiklöchern und sinnfreien Sidestorys. Den Vogel abgeschossen haben dann allerdings Shrek 3 und Rush Hour 3. Shrek 3 der offensichtlich nur „gedreht“ wurde um auch noch den letzten Cent aus dem grünen Oger und seinem Esel herauszupressen und zu keiner Zeit mehr an den Charme seiner Vorgänger anknüpfen konnte. Rush Hour 3 zur Rentensicherung Chans und Insolvenzbewahrung für Tucker. Die Liste geht endlos weiter. Es gab Jackass 2, Saw 3, Resident Evil 3, Stirb Langsam 4 …daran darf ich wegen Bluthochdruck schon gar nicht denken…, Hostel 2, 28 Weeks Later, Oceans 13 usw. usw. usw. Aber ich muss auch eingestehen, dass nicht alle Sequels schlecht waren. Denn ein alter Bekannter, den man schon vor Jahren abgeschrieben hatte, meldete sich wieder zurück und zeigte der Welt dass er noch nicht zum alten Eisen gehört. Richtig. Die Rede ist von Rocky Balboa, der es doch tatsächlich geschafft hat, der zuletzt so stark gebeutelten Rocky-Saga ein würdiges Ende zu verpassen und zeitgleich Sylvester Stallone wieder in die Gedächtnisse der Kinozuschauer zu rufen. Oder auch Kevin Smith, der mit Clerks 2 dem deutschen Publikum endlich mal die Chance gab, seine Helden Randal und Dante kennenzulernen. Aber leider trifft der Spruch „Ausnahmen bestätigen die Regel“ hier sehr genau zu und im Ganzen waren die Sequels eine große Enttäuschung.
Was mich persönlich aber am meisten aufgeregt hat, sind nicht mal die schwachen Sequels, sondern vielmehr die in der Filmbranche vorherrschende Ideenlosigkeit, die sich in zig überflüssigen Remakes äußerte. Angefangen beim total überflüssigen The Hitcher, der neben dem Original wie eine Geisterbahn für 5jährige wirkt, bis hin zu sogar 2 (!!!) Neuinterpretationen von Ein Mann sieht rot, die als Death Sentence und Die Fremde in Dir den Weg auf die Leinwand fanden, wurde Liebhabern der Originale auch nichts erspart. Den Todesstoß versetzte dann Ende des Jahres Rob Zombie dem Publikum, indem er mit seinem „Re-Imagining“ von Halloween mal gerade eben die Legende von Michael Myers zerstörte. Da hätte man sich so manches Mal neue Ideen gewünscht.
Aber bevor ich noch wie ein verbitterter alter Sack nur meckere, will ich natürlich auch nicht verschweigen das 2007 ein paar wirklich feine Perlen zu bieten hatte, die man auf keinen Fall verpassen darf. Auch wenn man sich dafür vielleicht mal vom Mainstream Programm wegbewegen muss. Folgende Filme also alle noch nachholen, wenn letztes Jahr verpasst:
Eastern Promises – Tödliches Versprechen

Mit Eastern Promises macht David Cronenberg eigentlich genau da weiter, wo er mit A History of Violence aufhörte. Nicht nur hat er wieder mit Viggo Mortensen seinen Hauptdarsteller ins Boot geholt sondern auch thematisch und stilistisch bleibt sich Cronenberg treu. Mit seiner ihm eigenen hyperrealen Darstellungsweise führt Cronenberg den Zuschauer in die Welt der russischen Mafia ein, die von Drogen, Sex und Gewaltexzessen geprägt ist. So dreckig, roh und brutal die Bilder so genial agieren hier Viggo Mortensen und Vincent „Doberman“ Cassel als Mitglieder der Mafia. Wer A History of Violence gut fand, wird diesen Film lieben. Aber auch allen anderen sei dieser Film wärmstens empfohlen.
Pan‘s Labyrinth

Mit Pan’s Labyrinth hat Guillermo Del Torro den meiner Meinung nach besten Film 2007 abgeliefert und mit Recht 3 Oskars abgeräumt. Sein Märchen für Erwachsene über die kleine Ofelia, die sich zur Zeiten des spanischen Bürgerkriegs um 1944 in ihre eigene Welt zurückzieht, um den Schrecken der Realität zu entfliehen, wartet nicht nur mit einer herausragenden Besetzung auf, sondern zeigt auch Del Torro’s beeindruckende visuelle Fähigkeiten. Denn was der hier an Sets und Szenen aufbaut scheint manchmal nicht wie von dieser Welt zu sein. Nahezu perfekter Film den man auf gar keinen Fall verpassen darf.
Little Miss Sunshine

Wer es tatsächlich geschafft hat dieses Roadmovie ohne ein einziges Lächeln zu überstehen, sollte dringend zum Arzt gehen, weil er wahrscheinlich innerlich tot ist. So überraschend wie der Film die Kinos eroberte, so verdammt witzig ist er nämlich auch. Kein Wunder das Michael Arndt den Oskar für das beste Drehbuch gewann und der Film sich innerhalb weniger Wochen einen eigenen Kultstatus sicherte. Allein schon wegen Alan Arkins Auftritt ein Must-See.
300

THIS IS SPARTA!!! An den 300 Spartiaten die gegen die hundertfach überlegene Armee des persischen Gottkönigs Xerxes zu Felde ziehen, kam man diesen Herbst einfach nicht vorbei. Von Kritikern auf der einen Seite als rechtsradikales Propaganda-Filmchen ala Leni-Riefenstahl abgewatscht und auf der anderen Seite von Fans weltweit abgefeiert, polarisierte die Verfilmung von Frank Millers Graphic Novel wie kein anderer Film. Und ja. Man kann 300 mangelhafte Story, platte Charaktere und überzogene Gewaltdarstellung vorwerfen. Aber ich persönlich zähle mich zu der Gruppe „abfeiernder Fan“ hinzu, denn nichts hat so sehr gerockt, wie den Sprüche klopfenden Spartanern dabei zuzusehen, wie sie Xerxes Armee die Scheiße aus dem Leib prügeln. Kommt man als Action-Fan nicht dran vorbei.
Shoot Em Up

Der zweite Actioner der dieses Jahr aus der Masse an Filmen herausstach, war ganz eindeutig Shoot Em Up. Was Regisseur Michael Davis hier abgeliefert hat lässt sich wohl nur als abgefahren bezeichnen. 90 Minuten schießt sich Clive Owen auf einer Karotte kauend durch ein Heer von Baddies, um ein Baby zu beschützen das ihm nur durch Zufall in die Hände gefallen ist. Was Owen dabei alles so tut, lässt sich eigentlich gar nicht in Worte fassen. Wer neugierig ist, auf wie viele verschiedenen Art und Weisen Clive Owens Charakter Bösewichte mit einer Möhre umbringen kann, sollte sich diesen Film definitiv angucken.
Persepolis

Persepolis beweist endlich nochmal, das Animationsfilme nicht immer kitschig und bunt sein müssen, sondern das dieses Medium auch dazu taugt, Geschichten zu erzählen die viel komplexer, tiefsinniger und intelligenter sind als der typische Walt Disney Streifen. In der Verfilmung dieses französischen Comics, begleitet man die kleine Marjane die im Iran aufwächst und dort die islamische Revolution miterlebt. Nicht nur muss sie in der Schule die pro-islamische Indoktrination über sich ergehen lassen, erfährt von der Schließung der Universitäten unter der neuen Regierung, eckt mit ihrem Wunsch nach Jeans und westlicher Musik sowie ihrer Abneigung gegen das Kopftuch an; sie hört von den Folterungen unter dem Regime des Schah, erlebt Verhaftungen und Demütigungen in der Familie durch Islamisten und muss von ihrem Onkel Abschied nehmen, der als Spion für die Sowjetunion in der Hinrichtungszelle sitzt. Das sind nur einige der Themen, die dieser wundervoll erzählte und gezeichnete Film anspricht. Wenn es also mal was anspruchsvolles sein darf, ist Persepolis genau das Richtige.
3:10 to Yuma – Todeszug nach Yuma

War es wirklich nötig, dass es vier Jahre dauern musste, bis nach Kevin Costner’s kongenialen Open Range wieder ein brauchbarer Western in die Kinos kommen musste? Wenn es nach mir geht könnte jeden Monat ein neuer Western anlaufen. Aber um Todeszug nach Yuma klasse zu finden, muss man nicht unbedingt ein Western-Fan sein. Yuma fährt zwar alles auf was ein Western haben muss, umschifft dabei aber gekonnt die gängigen Klischees. Vielmehr bietet Yuma erstklassige Schauspieler, schwarzen Humor, großartige Schießereien und einen spannungsgeladenen Showdown der es in sich hat. So muss Kino aussehen.
The Assasination of Jesse James by the Coward Robert Ford

So lang wie der Titel, so lang auch die Lauflänge. Aber davon sollte man sich bei dem, in Deutschland völlig zu Unrecht, untergegangen Film nicht abschrecken lassen. Trotz des Settings ist TAOJJBTCRF (lol) nämlich in erster Linie ein reinrassiger Charakterfilm und nur sekundär ein Western. Große Schießereien und Rennen zu Pferd sucht man hier vergebens. Dafür bekommt man allerdings erstklassige Schauspieler (Casey Affleck liefert hier eine oskarreife Vorstellung ab) und mitunter die besten Dialoge die man 2007 zu hören bekommen hat. Wer diesen Film auf Grund der Ignoranz bei den Kinoketten verpasst hat, sollte den auf jeden Fall auf einem anderen Medium nachholen.
Shooter

Mit Shooter brachte man endlich nochmal einen Actionfilm in die Kinos, der sich im Gegenzug zu den Bonds und Bournes dieser Welt, an dem guten alten 80er Jahre Actionkino orientierte. Hier wurde nicht so schnell geschnitten, das man nur die Hälfte der Actionszenen mitbekommt und auch nicht an einer gehörigen Portion Brutalität gespart. Wenn ich einen Actionfilm sehe, will ich genau das haben. Ich will sehen was passiert, wie es passiert und wann es passiert. Und genau das bietet Shooter. Wer also genug von den gestriegelten Helden aller Bond und Bourne hat, dem sei Mark Wahlbergs Shooter ans Herz gelegt.
Bug

Bug hat es hier zu Land gar nicht erst in die Kinos geschafft, was sogar in gewissen Maßen nachzuvollziehen ist. Um Bug zu sehen sollte man eigentlich nicht bezahlen sondern bezahlt werden. Das soll nicht heißen das Bug schlecht ist, sondern vielmehr das Bug ein schwerer anstrengender Film, bei dem man kämpfen muss um nicht doch den Power Button zu drücken. Denn was passiert wenn man eine völlig labile Frau mit einem von schwerer Paranoia gezeichneten Mann in ein Motel steckt, ist nichts für schwache Nerven. Aufreibendes Kameraspiel, das nichts für zwischendurch ist.
Black Snake Moan

Es vergeht kein Jahr in dem uns Samuel „Motherfucker“ Jackson nicht mindestens mit einem genialen Film beglückt. War es 2006 die Spaß-Granate Snakes on A Plane, in der es mit wildgewordenen Schlangen in einem Flugzeug aufnahm, hat er sich 2007 mit Regisseur Craig Brewer zusammengetan, der sich mit Hustle & Flow einen Namen gemacht hat. Wie auch schon sein Erstling dreht sich auch hier alles um Musik. Aber anstatt Hip Hop und Rap Beats, verwöhnt Brewer die Ohren der Zuschauer mit Oldschool Südstaaten Blues der es in sich hat. Black Snake Moan ist nämlich allein wegen des fantastischen Soundtracks schon sehenswert bzw. hörenswert. Das Sams Charakter nebenher noch die nymphomane Christina Ricci von ihren Dämonen befreit indem er sie an die Kette legt, wird da schon zu fast nur zu schmucken Beiwerk. Der wahrscheinlich heißeste Film 2007.
Hot Fuzz

Nachdem das Spaced Team um Edgar Wright und Simon Pegg schon 2005 die Zombie-Parodie Shaun of the Dead auf die Leinwand gebracht hat, ließen sie 2007 das Gleiche für das Action-Genre folgen. Und auch hier wird mit viel Liebe fürs Detail parodiert und nicht vergessen dem ganzen einen frischen Stempel aufzudrücken. Denn im Gegensatz zu anderen Parodien wie Scary Movie, nimmt man sich hier die Klischees des Genre und mixt sie zu einem eigenen Cocktail zusammen, anstatt sie einfach lächerlich zu machen. Wie auch schon Shaun ist Hot Fuzz ein Muss für jeden Liebhaber des Stoffes und Anspielungen erraten Pflicht.
Revolver

Wieso, obwohl schon 2005 abgedreht, der Film bis heute noch nicht weder im Kino noch auf DVD erschienen ist, bleibt wohl das Geheimnis des Verleihers. Denn nach dem totalen Fehlschlag Swept Away kehrt Guy Richie zu seinen Wurzeln zurück. Nicht nur das. Er nimmt sein Genre und erweitert es auf die metaphysische Ebene des Schachspiels. Revolver ist nämlich so vielschichtig, verschachtelt und intelligent erzählt das man wohl Tage brauchen würde die Story halbwegs verständlich zusammen zufassen. Richie spielt hier mit dem Zuschauer ein Verwirrspiel erster Güte, wobei Statham seine Hauptfigur darstellt und dabei seine bisher dargebrachten schauspielerischen Leistungen haushoch übertrifft. Dass trifft allerdings auf alle Darsteller zu. Andre “Outkast” Benjamin, Mark Strong (als bebrillter Superkiller), Vincent “Big Pussy” Pastore und Ray Liotta warten alle mit Glanzleistungen auf. Richie typisch werden auch so einige Stilmittel benutzt. Über Ultra-Zeitlupen, CGI-Kamerafahrten, Zeichentrick-Einlagen und dynamischen Untertiteln wird hier so ziemlich alles aufgefahren und wirkt dabei niemals selbstzweckhaft. Sondern verpasst dem Film einen überaus coolen eigenen Look. Mit “Revolver” dessen Titel sich übrigens nicht auf die Waffe sondern auf das Verb “to revolve” bezieht, hat sich Richie seine Reputation als Retter des britischen Gangster-Films wiedergeholt und damit sogar noch das Genre revolutioniert. Ich gehe davon aus das man einfach nicht weiß wie man dem breiten Publikum diesen komplizierten revolutionären Film schmackhaft machen will und ihn deshalb noch immer auf Halde liegen hat. Wer des englischen mächtig ist, sollte sich die britische DVD schnellstmöglich nach Haus bestellen.
Adams Äpfel

Adams Äpfel ist auch einer dieser Spätzünder. Schon 2005 abgedreht und in Deutschland nur auf wenigen Festivals gelaufen, hat es dann volle 2 Jahre gedauert, bis dieses dänische Meisterstück 2007 auf DVD zu kriegen war. Adams Äpfel ist ein kleiner Film. Aber er hat alles wo nach Cineasten seit Monaten schreien. Eine gutdurchdachtes Drehbuch, das eine abgefahrene fast schon philosophische Geschichte erzählt, durch die Bank gut agierende Schauspieler denen man ansieht das sie ihr Handwerk gelernt haben und einen sowohl akustisch wie auch visuell überragenden Stil. Und dazu waren keine Produktionskosten in Höhe des Bruttoinlandproduktes von Luxemburg nötig. Sondern nur Einfallsreichtum und Talent. Man kann nur hoffen dass Anders Thomas Jensen diese Linie beibehalten wird und dem Filmfan noch mehr solcher Filme präsentieren kann. Wer genug von Hollywood hat, dem kann ich einen Ausflug nach Dänemark nur empfehlen.
Das Jahr war lang und auf Grund der vielen, vielen Filme die ich mir angeguckt habe und manchmal auch angucken musste, haben sich bestimmt auch einige Perlen in die hinteren Ecken meines Gehirns verschoben und wurden deshalb hier nicht aufgeführt. Wer also noch weitere Tipps hat was 2007 noch sehenswert war, kann mir diese gerne mitteilen und ich werde diese dann in einer der nächsten Kolumnen nachreichen.
cmudersbach